Mikrogeschichte zu Hause. Teil 2 Geschichts-Recherche im Internet für Nicht-Historiker*innen
Mikrogeschichte zu Hause, Internetrecherche

Mikrogeschichte zu Hause. Teil 2 Geschichts-Recherche im Internet für Nicht-Historiker*innen

Der kleine Einführungskurs in die Geschichte geht in die zweite Runde. Nach wie vor muss die eigene Wohnung für die selbstgemachte Mikrogeschichte nicht verlassen werden, zumindest nicht analog.

Gezwungenermaßen haben sich Kultur- und Bildungseinrichtungen im Lauf der Corona-Beschränkungen schneller auf digitale Besucher eingestellt, als es vielfach geplant war. Andererseits sind einige Kataloge und Museen schon laaaange virtuell besuch- und recherchierbar. Also rein ins Thema.

Geschichts-Recherche selbermachen

Wozu eigentlich Internetrecherche in der Geschichtswissenschaft, geht es dabei nicht um alte (sprich: analoge) Sachen?

Historiker*innen sind moderne Wissenschaftler*innen und sehen im Internet mehr als nur eine „nette“ Ergänzung. Wir können uns nicht verschließen, sondern nutzen die Gunst der Stunde und entwickeln neue digitale Methoden und nutzen das Internet, wie alle anderen auch, für Recherche und Präsentation. Warum sonst möchte eine Mikrohistorikerin einen Blog betreiben. Natürlich darf die „altmodische“ Recherche mit Objekten und Texten nicht übergangen werden, vieles ist anders noch gar nicht erreichbar. Trotz des größeren Aufwands, macht die „Schatzsuche“ im Archiv oder im Gelände viel mehr Spaß aber selbst solche Besuche werden durch eine sorgfältige Internetrecherche vorbereitet.

Was bietet mir als Mikrohistoriker*in das Netz denn so?

  1. Inspiration und Unterhaltung
  • Historiker*innen und klassische Medien produzieren hochwertigen Content. In Blogs, Podcasts oder interaktiven Ausstellungen von klassischen Museen werden spannende Fragestellungen erörtert und neue Quellen vorgestellt. Hier verweise ich auf meine Linksammlung, die ständig erweitert wird.
  • Der heißeste Tipp zum Einstieg in die Vielfalt von historischen Online-Angeboten ist die Projektsammlung und die Webnews von H-Soz-Kult, dem Webportal für deutschsprachige Historiker*innen. Hier findet man Digitalisierungsprojekte zu verschiedenen Themen oder von unterschiedlichen Einrichtungen. Teilweise sind sie nicht ganz selbsterklärend aber umfangreich. Schön zum Stöbern.
  • Eines der größten Digitalisat-Verzeichnisse in Deutschland, wenn nicht das größte, ist die Deutsche Digitale Bibliothek zur Inspiration oder gezielten Recherche.
  • Das geisteswissenschaftliche Blogportal Hypthese.org bietet vielen Historiker*innen eine Plattform für ihre Forschung.
  • Für die Rheinland-Pfalz und das Saarland gibt es das Portal Regionalgeschichte.net als Einstieg in Bibliotheken und Einrichtungen.
  1. Recherche: der zweite Schritt nach der Fragestellung ist das gezielte Aufstöbern von Quellen und Literatur. Wer hat schon dazu veröffentlicht? Gibt es virtuelle Datenbanken und Archive, die ich nutzen kann?
Lupe Mikrogeschichte.de
  • Ich muss zugeben, dass Wikipedia.com sich in den letzten Jahrzehnten als guter Einstieg gemausert hat. Wichtig: nicht alle Artikel sind von gleich guter Qualität und sollten (wie alle Quellen!) kritisch geprüft werden. Dennoch empfehle ich Wikipedia für einen ersten Überblick über ein Thema und um sich aus dem Text die wichtigen Such-Begriffe zu notieren. Danach kann man die angegebenen Quellen durchklicken und mit den gewonnen Informationen weitersuchen.
  • Naheliegend: Die Onleihe.net der städtischen Bücherei oder Online-Angebote der nächsten Staatsbibliothek. Bibliotheken sind auch gute Anlaufstellen für alte Telefonbücher oder andere Recherche-Werkzeuge. Dort kann man sich deren Nutzung auch gleich erklären zu lassen.
  • Nicht sicher in welcher Bibliothek das gesuchte Buch steht oder es fehlen noch Informationen? Der Karlsruher Virtuelle Katalog kennt sie alle!
  • Wer tiefer forschen möchte: Städte und Gemeinden, sowie viele große Firmen, unterhalten Archive, die man auf Anfrage und oft kostenlos zur Recherche nutzen kann. Archivar*innen sind gerne bei weiteren Fragen behilflich.
  • Man mag von Google halten, was mach möchte und seine Nutzung ist jedem und jeder selbst überlassen. Doch zwei Google-Produkte seien hier erwähnt: „Google Arts & Culture“ ermöglicht (auch als App) virtuelle Besuche von Museen auf der ganzen Welt. Das Landesmuseum Baden-Württemberg in Stuttgart kooperiert zum Beispiel mit dem Google-Projekt. „Google Books“ macht gemeinfreie Bücher digital zugänglich (und volltext-recherchierbar!), die in Bibliotheken auf der ganzen Welt stehen.
  • Für Fortgeschrittene ist die Suche über das Rechercheportal von Historicum.net. Man muss allerdings wissen, was man sucht und und es braucht bereits Erfahrung mit Katalog-Suche.
  • Die klassische Suchmaschinensuche ist natürlich, wie in Teil 1 erwähnt, auch ein guter Themeneinstieg. Gerade historische Suchen führen aber nicht immer zum Ziel und ungeprüft sollte sowieso nichts „geglaubt“ werden.
Lernen
Photo by Charlotte May on Pexels.com
  1. Lernen:
  • Eigentlich ein Kurs von Correctiv.org für Lokalreporter, doch die Tools des Datenjournalismus taugen auch um sie mit historischen Daten zu füttern. Deshalb einen Versuch wert.
  • Definitiv ein großes Thema im deutschsprachigen Raum sind alte Handschriften. Es gibt viele Kurse dazu im Netz. Empfehlenswert finde ich den Youtube-Kurs „Altdeutsche Schrift (Kurrent, Sütterlin) lernen“ von Klemens Kilic, oder irgendeinen anderen, der gefällt.
  1. Austausch:
  • Heimatvereine und historische Vereine der Umgebung lassen sich leicht per Suchmaschine finden.
  • Historiker*innen haben schon vor Jahren Twitter für sich entdeckt, beliebt ist der Hastag #twitterstorians. (nicht mehr ganz aktuelle) Artikel zum Thema, sowie einige Social-Media-Projekte sind in folgenden Links beschrieben: Twitter in der Wissenschaft und Sollen Historiker bloggen und twittern? Antwort: ja!
  • Ich freue mich ebenfalls über Austausch, Ideen und Feedback über die Kommentarfunktion.

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