Die stauferzeitliche Burg Hohenbeilstein
Blick auf Beilstein von der Burg Hohenbeilstein

Die stauferzeitliche Burg Hohenbeilstein


Größere Karte anzeigen

Vorweg: Burg oder Schloss?

Zugegeben, Weinbau sind im Bottwartal kein Alleinstellungsmerkmal, doch der Spaziergang durch die Weingärten des Schlossgut Hohenbeilstein lohnt. Denn über dem Städtchen Beilstein thront die Burg Hohenbeilstein und sie ist gut gealtert und lebendig. Nicht zu verwechseln mit dem deutlich jüngeren Schloss Beilstein, das die evangelische Kirche als Tagungsstätte nutzt).

Burgen sind auch „nur“ Immobilien (in der Geschichte)

Wie fast immer bei wirklich alten Bauwerken ist auch der Ursprung der Hohenbeilstein nicht mehr zu klären. Erste Befestigungen schätzt man um 1070. Der Bergfried und die innere Burgmauer aus Sandstein rechnet man dem Grafen von Calw zu und datiert sie auf 1200 oder etwas später in der Stauferzeit. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung, wechselten (und wechseln!) Burgen erstaunlich oft die Besitzer: Manchmal sind sie an ein Amt gebunden (auch Hohenbeilstein war zeitweise Vogtsitz), manchmal ist der Unterhalt zu teuer, die Besitzer-Familie stirbt aus oder jemand wurde schlicht übers Ohr gehauen. Der Besitzerwechsel hat viele Gründe. Wie dem auch sei, die Burg ging schon um 1290 an den Markgrafen von Baden. Nach nur 14 Jahren gehörte sie dem Haus Württemberg, danach kurz dem Grafen von Tübingen-Asperg bis 1340 oder 1348 erneut Württemberg die Burg Hohenbeilstein endgültig erwarb und sie 550 Jahre behielt. Das muss man sich vorstellen, über ein halbes Jahrtausend! Für einen Immobilienbesitz war/ist eine Ewigkeit. In dieser Zeitspanne ist eine Menge passiert, vor allem in Politik und Kriegsführung. 1525 wurde die Burg von einem Bauernaufruhr belagert und beschädigt, 1693 im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) in einem Brand zerstört, den Französische Truppen in Beilstein legten. Die Erfindung von Feuerwaffen beraubten in der Neuzeit alle Burgen ihrer strategischen Bedeutung. 1898 kam die Burg, inzwischen eine Ruine, aber für 10.000 (Gold-)Mark (s.u.) in gute Hände, ihr Käufer Robert Vollmöller ermöglichte Ausgrabungen und Wiederherstellungsversuche unterstützt durch die Architekten Albert Benz. Bei diesen Grabungen fand man im westlichen Burghof das ehemalige herrschaftliche Wohngebäude, bescheiden den „Palas“ genannt, als Teil der Ringmauer. Vollmöller ermöglichte auch Besichtigungen für Touristen, die per Bottwartalbahn anreisten. 1960 erwarb die Stadt Beilstein ihr eigenes Wahrzeichen und verwaltet sie noch immer.

Bergfried "Langhans" der Burg Hohenbeilstein
Bergfried „Langhans“

„Langhans“ zeigt was er hat oder: Wozu eigentlich ein Bergfried?

Der Bergfried hört auf den Namen Langhans und ist das Wahrzeichen von/über Beilstein. Er ist 23 Meter hoch. Sein ehemaliger Hocheingang, ein typischer wie unpraktischer Zugang, befindet sich in 7 Meter Höhe. Die Mauern verjüngen sich innen von Stockwerk zu Stockwerk. Besonders nett: der Abortkerker im Nordosten ist noch erhalten.

Doch wozu diente dieser Bergfried, Wahrzeichen jeder (echten) Burg? Lange ging man davon aus, dass hier die letzte Zuflucht der Burgherren- und Fräulein (um ein Klischee zu bemühen) war. Hier hätte man sich mit Vorräten und Waffen im engsten Familienkreis verschanzt und… ja, was dann? Warten bis die Eroberer wieder gehen? „Oh, die Hohenbeilsteins sind kurz vor knapp die sieben Meter hohe Leiter in den Bergfried geschlüpft… dann gehen wir besser wieder.“ Ist man ehrlich, hat diese Erklärung nie so richtig befriedigt. Es ist wahrscheinlicher, dass er damals wie heute die gleiche Aufgabe hatte: protzen! Und warum auch nicht? Es funktioniert ja.

Die Burg thront über der Stadt

Heute: Die Burg lebt

Was Hohenbeilstein heute besonders macht, ist nicht ihre Geschichte. Die ist sogar ziemlich typisch. Nein, besonders ist die Nutzung der Burg als Falknerei Falknerei Beilstein. Hier finden nicht nur Vorführungen von Flugshows statt, hier werden auch verletzte Greifvögel aufgepäppelt. Ein Restaurant lädt Besucher*innen zum Verweilen ein.

Um die Burg herum gedeihen die erwähnten Weinreben und laden zu weiteren Spaziergängen ein. Ein historischer Rundgang befriedigt die Neugier interessierter Mikrohistoriker*innen auf mehreren Schautafeln.


Quellen:

Weitere Informationen:

Wer sich für historische Währungsumrechnung interessiert, sei auf https://fredriks.de/hvv/kaufkraft.php#BSP1 verwiesen.

Schreibe einen Kommentar