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Blatt 16 Stuttgart von 1840 des Topographischen Atlas des Königreichs Württemberg, Maßstab 1:50.000

Der Garten der Triangulation an der Solitude-Allee

Schnurgerade zieht sich die Solitude-Allee vom Schloss Solitude in Stuttgart zum „neuen“ Residenzschloss Ludwigsburg, naja, inzwischen nicht mehr ganz, aber fast. In Rufweite zum Güterbahnhof Kornwestheim, steht ein Stehlengarten, der eine eine praktische Funktion der Allee erinnert: die Landvermessung.

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Die Solitude-Allee

Zwischen 1764 und 1768 ließ Herzog Carl Eugen (1728-1793) seine Schlösser Solitude und Ludwigsburg per schnurgerader Straße miteinander verbinden. Dabei nahm er, in absolutistischer Manier, weder Rücksicht auf Topografie (steiler Anstieg nach Solitude) noch auf Untertanen (absolutes Betretungsverbot!).

Karte von Württemberg, 1840, die die Solitude-Allee als schnurgerade Linie zwischen Schloss Sulitude und Schloss Ludwigsburg zeigt.
Blatt 16 Stuttgart von 1840 des Topographischen Atlas des Königreichs Württemberg, Maßstab 1:50.000, mit rot markierter Quadranten-Grenze, Flurkarten-Grenzen und Basislinie Solitude-Allee der Württembergischen Landesvermessung.
Quelle: Topographischer Atlas des Koenigreichs Württemberg: im Masstabe 1 : 50 000; in 55 Blättern; 1821–1851. Stuttgart, Tübingen, 1851.
Scan: Universitätsbibliothek Tübingen
Urheber: Statistisch-Topographisches Bureau des Königreichs Württemberg
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Topographischer_Atlas_des_Koenigreichs_W%C3%BCrttemberg_-_Blatt_16_Stuttgart.jpg

Heute endet die Allee abrupt und etwas würdelos am Ludwigsburger Bahnhof, was jedoch schon ziemlich nah am Schloss Ludwigsburg ist.

Das Verfahren der Triangulation

Es ist simpler als es auf den ersten Blick erscheint: in freier Landschaft sind Winkel einfacher zu messen als Längen. Aus den Winkeln und einer Seitenlänge eines Dreiecks lassen sich per Trigonometrie recht simpel dessen andere beide Seitenlängen ausrechnen.

König Wilhelm I. von Württemberg (wir kennen ihn als Vater der Württembergischen Mammutbäume) hatte 1818 das nachvollziehbare Bedürfnis sein Königreich zu vermessen. Da die Solitude-Allee bereits vorhanden und berechenbar schnurgerade verlief, nutzte er sie als Basislinie eines Dreieck-Netzes, das es über Württemberg legen ließ. Er betraute Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger mit der Vermessung seiner Basislinie, der 1820 exakte 13032,14 Meter verkündete, also 13 km 32 m und 14 cm. Das soll uns hier an Genauigkeit genügen. Von diesem „kurzen“ Stück aus, ließen sich weitere markante Punkte erschließen und bis 1840 vermessen.

Info-Tafel im Garten der Triangulation an der Solitude-Allee zwischen Stammheim und Kornwestheim.
Info-Tafel im Garten der Triangulation an der Solitude-Allee zwischen Stammheim und Kornwestheim. (Wiedergabe in geänderter Größe, Urheber:
Landesvermessungsamt Baden-Württemberg https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Solitude-Allee_Tafel_Garten_der_Triangulation_1998_Web.jpg von Weilimdorfer Heimatblatt Nr. 24, 2. Aufl. Mai 2007, hrsg. vom Weilimdorfer Heimatkreis)

Der Garten der Triangulation

Man begegnet vielen Spaziergänger*innen und Sportler*innen auf der Solitude-Allee. Sie beginnt und endet nicht nur an historischen Schlössern, sie streift auch das Gefängnis Stuttgart Stammheim, womit wir im 20. Jahrhundert angekommen wären. Nachdem die Deutsche Bahn in Kornwestheim einen riesigen Güterbahnhof bauen ließ, spendierte sie 1998 in unmittelbarer Nähe den kleinen Informations- und Erholungsort „Garten der Triangulation“ mit Bank und Blick auf die Güter-Krähne. Der Garten wurde vom Landesvermessungsamt Baden-Württemberg konzipierten und ist einen Besuch wert.


Quellen und weitere Informationen

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hanne

    verblüffend, wie sinnvoll letztendlich diese sinnlose, schnurgerade Straße zwischen Schloß Solitude und Ludwigsburg, doch noch genutzt werden konnte. Genaue Landvermessung geht also auch ohne Lasertechnik. Die Alten waren schon schlau, nicht nur wir heutigen Hochtechnisierten.

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