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Mammutbäume bei Wüstenrot

Königliche Mammutbäume in Württemberg

Bei einigen Wanderungen durch Württemberg sind sie mir aufgefallen: Standorte mit einer „kleinen“ Gruppe von Mammutbäumen. Beeindruckende Riesen und die ansässigen Gemeinden sind mächtig stolz auf die Einwanderer. Doch wie sind diese echten Amerikaner dorthin gekommen? Angeblich eine königliche Fehlbestellung, aber er hat das beste daraus gemacht.

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Zu viele Baumriesen bestellt

König Wilhelm I von Württemberg war nachvollziehbar beeindruckt von den Baumriesen (botanisch: Sequoiadendron giganteum) und bestellt 1864 für 90 Dollar ein Pfund Samen. Ob ihm klar war, dass dies potentiell 100.000 Bäume bedeutete, ist nicht überliefert. Heute wird angenommen, er meinte wohl ein Pfund Zapfen aber als guter Schwabe ließ er die wertvolle Saat nicht „verkommen“ und ließ sie in der Cannstatter Wilhelma aussäen. Praktischerweise hatte er selbst vor wenigen Jahren den zoologisch-botanische Garten gegründet, der bis heute das Mammut-Wäldchen im Rosensteinpark pflegt.

Die königlichen Gärtner konnten immerhin 5.000 (!) Exemplare aus den Samen ziehen, die nicht nur in Stuttgart bzw. Cannstatt angepflanzt wurden. Über ganz Württemberg wurden die (noch kleinen) Giganten an geeigneten Flächen in Parks und Wäldern verteilt oder an interessierte Botaniker*innen verkauft.

Dringend!
Dem
K. Revieramt Welzheim
wurden gemäß Decrets v. 3./4. DM No. 2820 – 50 Stück der heute dahier von der Gärtnerei der Wilhelma angelangten einjährigen Pflanzen der Wellingtonia gigantea aus Kalifornien zum alsbaldigen Verschulen in einer hierfür geeigneten herrschaftl. Saatschule mit folgender näherer Anweisung zugesendet:

1) Die Saatschule muß eine frostfreie Lage haben.
2) Die Pflanzbeete sind gut vorzubereiten u. zu lockern, auch mit Compost- oder Haide-Erde zu untermengen.
3) In der Saatschule sind die Pflanzen in einer Entfernung von nicht unter 2 Fuß nacheinander zu setzen, um mit Umgehung wiederholten Verschulens gehörig starke Heister zu erziehen. Sogleich nach der Ankunft u. bis zu dem möglichst zu beschleunigenden Verschulen sind die Pflanzen vorsichtig an einem passenden Ort einzuschlagen, nöthigenfalls auch zu begießen.
4) Für die erste Zeit sind die Pflanzen gegen die Mittagssonne durch Bedecken der Beete mit Zweigen oder ein leichtes Schutzdach aus Stotzen u. überlegten Stänglein mit Nadelreis bedeckt zu schützen u. in den ersten Wintern durch Bedecken mit Laub gegen die Kälte zu verwahren. Überhaupt ist diesen zu Versuchen bestimmten zur Zeit noch ziemlich kostspieligen Pflanzen die größte Sorgfalt zuzwenden, insbesondere auch Schutz gegen Wild.
5) Die durch den Transport u. das Verschulen der Pflanzen entstehenden Kosten sind in dem Kulturkostenplan und Verzeichniß 1866 zu verrechnen.

Lorch, den 17. April 1866
K. Forstamt
Dietlen

Quelle: Förster Höhn Althütte vgl. http://mbreg.de/forum/index.php?topic=3916.0

Viele Exemplare sind im Lauf der Zeit leider eingegangen, heute existieren vermutlich noch etwas weniger als 200 Exemplare aus der Wilhelma-Saat. Nicht nur sie sind in einer Karte des Mammutbaum Projekts verzeichnet.

Wie hoch werden Mammutbäume?

Neben dem Rosensteinpark gibt es heute noch relevante Bestände in Welzheim, Lorch, Wüstenrot, Murrhardt, Hirsau und Heimerdingen. Deshalb stolpert man gelegentlich regelrecht über die Riesen-Grüppchen, die inzwischen über 150 Jahre alt und fast 40 Meter hoch geworden sind. Doch sie sind Winzlinge im Vergleich ihren erwachsenen Vertretern. Der größte heute noch lebende Mammutbaum trägt den Namen „General Sherman“ und steht im Giant Forest (dt. Riesenwald) des Sequoia-Nationalparks in Kalifornien. Sein Alter wird auf über 2.000 Jahre geschätzt, seine Höhe beträgt 83,8 Meter, also doppelt so hoch wie unsere „kleinen“ Württemberger.

Mammutbäume in Württemberg
Mammutbäume bei Wüstenrot

Quellen und Infos