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historischer Neoplan Bus

Neoplan – schwäbische Busgeschichte

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Bis 2006 war Stuttgart-Möhringen Standort des Automobilunternehmens Neoplan. Heute erinnert das kleine Konrad Auwärter Museum im „Neotel“ an ein weiteres Stück schwäbische Technikgeschichte.

Automobilgeschichte aus Stuttgart und Umgebung ist mehr als Mercedes und Porsche. Und im Gegensatz zu den prominenten (und nicht günstigen) Fahrzeugen, saß garantiert jede*r schon in einem Fahrzeug von Neoplan, einem internationalen Omnibus-Hersteller. Die Marke Neoplan existiert heute zwar noch aber nicht mehr das Familienunternehmen, dessen Geschichte in Möhringen beginnt.

Gottlob Auwärter war die Wagnerwerkstatt seiner Familie zu klein geworden als er in Möhringen auf dem Geländer einer ehemaligen Ziegelei sein Unternehmen gründete. Seit 1935 baute „Gottlob Auwärter jr. O.H.G.“ Nutzfahrzeuge und Omnibusse auf Fahrgestellen anderer Hersteller (Darunter war der Aufbau auf einen Opel-Blitz, den die Feuerwehr Hamburg ebenfalls als Grundlage für mehrere Krankenwagen nutzte). Bald schon konzentrierte sich die Firma auf Busse und benannte sie in „Neoplan“ um, das war 1953. Angeblich gefiel es dem Chef nicht, wenn Fahrer bei einer Panne davon sprachen, dass der „Auwärter“ kaputt sei. Der neue Name bedeutet soviel wie „Neues Personenbeförderungsfahrzeug oder Neuer Plan“.

Wagnerwerkstatt im Auwärter Museum
Wagnerwerkstatt im Auwärter Museum

Wie in vielen Firmenchroniken des 20. Jahrhunderts ist nicht ganz klar, welche Auswirkungen der 2. Weltkrieg auf Unternehmer und Unternehmen hatte. Über die politische Gesinnung der Familie Auwärter im Nationalsozialismus gibt das Konrad Auwärter Museum keine Auskunft. Bekannt ist, dass viele Mitarbeiter im nahe gelegenen Flughafen als Mechaniker eingesetzt wurden, der Betrieb aber wegen Kriegsrelevanz nicht eingestellt wurde.

Von 1945 bis 2001 entwickelte sich Neoplan zum weltweiten Player in der Busbranche. Linienbusse, Reisebusse, extravagante Nobelmodelle, Doppedecker-Gelenkbusse (Jumbocruiser) und zeitweise fast alle Rollfeld-Busse auf Flughafen der Welt stammten aus dem Hause „Gottlob Auwärter GmbH & Co. KG“. Danach wurde die Firma vom LKW-Hersteller MAN gekauft und in die „Neoplan Bus GmbH“ umgewandelt. 2007 zog sich Neoplan endgültig aus Stuttgart zurück und konzentrierte sich auf seine Werke in Pilsting (seit 1973) und Plauen. Für beide Werke war eigentlich eine Schließung vorgesehen, beide werden jedoch bis heute unter anderem Namen fortgeführt. Sie sind inzwischen auf Individualisierung bzw. Wartung von Bussen spezialisiert.

In Möhringen steht an der Stelle des alten Neoplan-Werks das Hotel „Neotel„, in das ein kleines aber sehenswertes Konrad Auwärter Museum integriert ist. Hier sind zwar einige historische Busmodelle ausgestellt, die größere Fahrzeug-Sammlung befindet sich heute allerdings in Pilsting.

Wer sich ein wenig mit Firmengeschichten zur Jahrtausendwende beschäftigt, findet viele Gemeinsamkeiten: Familienunternehmen, auch große wie Auwärter, können international nicht bestehen. Die Lederfabrik Breuninger ereilte ein ähnliches Schicksal, wenn auch Neoplan heute noch existiert. Damit beschäftigt sich eine erwähnenswerte Schautafel im Auwärter-Museum, ein wenig sentimental aber nüchtern.

Ausstellungstafel im Auwärter Museum
Ausstellungstafel im http://www.auwaerter-museum.de/

Links und Quellen

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Neoplan#Geschichte inkl. einer Aufzählung und Fotos von besonderen Neoplan-Busmodellen.

Website von Konrad Auwärter, http://www.konrad-auwaerter.de/ darin Infos zur Fahrzeugsammlung in Pilsting https://www.automobil-park.de/

Konrad Auwärter Museum Stuttgart Möhringen: http://www.auwaerter-museum.de/ mit Anschrift und Öffnungszeiten, der Eintritt ist frei

Pressemeldung von MAN zum runden Geburtstag von Konrad Auwärter: https://www.neoplan.com/global/de/news-und-media/pressemeldungen/NEOPLAN-gratuliert_-Alles-Gute-Konrad-Auwaerter_-7040.html

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